Geschichte


Der heutige Altbau des Romain-Rolland-Gymnasiums wurde am 14. April 1915 nach
anderthalbjähriger Bauzeit als „Städtische Studienanstalt – Realgymnasium für Mädchen“ eröffnet. Der Architekt, Stadtbaurat Hans Erlwein, erlebte dies nicht mehr.
Das Schulgebäude, dreistöckig, mit Planetarium (das 1927 der vierten Etage weichen musste), und besonders die Aula galten bereits 1915 als Schmuckstück.
Auch die umfangreichen Bildungsmöglichkeiten, die die Töchter der Oberschicht hier erhielten, waren in Dresden einzigartig. Die Schülerinnen wurden in alten und neuen Sprachen, Natur- und Geisteswissenschaften unterrichtet und so auf ein Studium vorbereitet; eine Seltenheit im Kaiserreich.  

Schulpolitische Maßnahmen sorgten für vier Umbenennungen der Mädchenschule bis 1937; ab diesem Zeitpunkt trug sie den Namen „Städtische Oberschule für Mädchen, Dresden-Neustadt“.                                                                   

Der allgemeine, gesellschaftliche und politische Wandel, der sich in den Zwanziger- und Dreißigerjahren vollzog, ging an der Schule nicht spurlos vorbei: Es wurde dem Zeitgeist entsprechend unterrichtet. Zunächst ab 1933 in bestimmten Fächern, ab 1937 im gesamten Schulalltag hielt die nationalsozialistische Ideologie Einzug. Die Lehrer lehrten, was zu lehren verordnet war. Die Schulandacht am Montagmorgen wurde durch Flaggenappell ersetzt. Jüdische Schülerinnen verschwanden.
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges brachte weitere Veränderungen. Ab 1944 fand wegen Lehrermangels und Kälte im Schulhaus nur noch sporadisch Unterricht statt, der mit der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 gänzlich zum Erliegen kam. Der
Erlweinbau wurde bei der Bombardierung nur im vierten Stock beschädigt.
Nach Kriegsende wurde das Gebäude zunächst von der Verwaltung genutzt, jedoch begann am 1. Oktober 1945 wieder provisorischer Schulbetrieb nach den Vorgaben dersowjetischen Besatzer.
Zwei Jahre später betraten zum ersten Mal Jungen als Schüler die Schule in der Weintraubenstraße. In den folgenden Jahren allerdings wurde streng darauf geachtet, dass sie und die Mädchen sich nicht begegneten, was aber Liebesbeziehungen, die
mitunter sogar zu Ehen führten, nicht verhindern konnte. Die ersten gemischten Klassen gab es erst 1951.
Mit der Gründung der DDR 1949 wurde an der Schule wieder der latente Zwang zur Linientreue spürbar, nun sollte man „für Frieden und Sozialismus immer bereit“ sein. Bis zum Mauerbau 1961 verließen deswegen einige Schüler, aber auch Lehrer das Land gen Westen.
Trotz der zunehmenden Abschottung der DDR wurde ab den Siebzigerjahren an der EOS „Romain Rolland“ –1966 zum 100. Geburtstag des französischen Schriftstellers und Pazifisten so benannt- die fremdsprachliche Ausbildung stark gefördert. Die besten Schüler durften als Übersetzer bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1973 und bei anderen Anlässen mitwirken.
Unterdessen verschlechterte sich der Zustand des Schulgebäudes zusehends. Daher wurde es 1984 unter Denkmalschutz gestellt, einige Reparaturen wurden vorgenommen, die Aula saniert.
An den Protesten, die 1989 zum Mauerfall und damit zur Wende führten, beteiligten sich auch Schüler der EOS „Romain Rolland“.
In der Schule bewirkten Forderungen nach Wandel den Rücktritt der SEDtreuen Direktorin. Die folgenden Jahre waren von Veränderungen und Neuerungen geprägt. Heute befremdlich wirkend: 1990 fand ein Austausch mit Mönchengladbach statt.

                                                                                           

Das Jahr 1993 war ein sehr ereignisreiches: Aus der EOS wurde das Romain-Rolland-Gymnasium; der bilinguale Zweig zur
vertieften Ausbildung in Französisch wurde eingeführt; anlässlich ihres 90. Geburtstages wurde eine Büste für die
berühmteste Schülerin, die Erforscherin der peruanischen Nazca-Linien, Dr. Maria Reiche (1903-1998, Schülerin 1916-
1924), enthüllt und verschiedene Projekte zu ihr und ihrem Leben wurden durchgeführt.
Durch die Reisefreiheit westwärts, die der Beitritt der neugegründeten Länder zur BRD mit sich brachte, ergaben sich neue Möglichkeiten des Austausches. Zahlreiche Partnerschaften mit französischen Schulen entstanden, aber auch Kontakte nach England (die heute nicht mehr vorhanden sind), Tschechien, Argentinien und Peru. Sowohl die Aufenthalte in anderen Ländern als auch die Besuche der Austauschpartner in Dresden waren und sind eine sprachliche und kulturelle Bereicherung.
Trotz seiner Einzigartigkeit geriet das Gymnasium 1997 ins Visier sparwilliger Schulverwalter und sollte geschlossen werden. Protestaktionen der Schüler, Lehrer und Eltern (bis hin zu Briefen an den Bundeskanzler und den französischen Präsidenten) konnten dies jedoch verhindern.

Als der Erlweinbau für die Zahl der Schüler nicht mehr genügte, wichen die fünften bis siebten Klassen in eine Außenstelle auf der Löwenstraße, später auf dem Unteren Kreuzweg, aus. 2007 wurde entschieden, die Schule zu renovieren, zu restaurieren und
zu erweitern.
Nach einigen Verzögerungen begann 2009 der Umbau. Der Unterricht fand währenddessen in einer Ausweichstelle in Prohlis statt.

2011 wurde das neue alte Romain-Rolland-Gymnasium wiedereröffnet. Das Erlweingebäude war aufwendig saniert, an der Melanchthonstraße und am Carusufer je ein moderner Bau ergänzt, eine Zweifeld-Sporthalle gebaut und aus der bisherigen
Turnhalle die Bibliothek geworden.
Das Jubiläum „100 Jahre Schule in der Weintraubenstraße“ feierte die Schulgemeinschaft mit zahlreichen Projekten, einem
Ehemaligentreffen und einem Festakt. –Nicht ohne Stolz, nicht ohne kritische Betrachtung der Vergangenheit und nicht ohne
Neugier auf die nächsten 100 Jahre (?) RoRo.
Denn: „Man lernt nichts, ohne zu irren.“ (Romain Rolland)

histoire

En 1913, ils ont commencé de construire le bâtiment selon les plans de Hans Erlwein. L'établissement municipale d'études, „Städtische Studienanstalt“, a reçu son propre bâtiment le 14 avril 1915. 119 filles de la bourgeoisie élevée sont allées au lycée. Avant que les filles aient été permis d'aller au lycée, elles ont dû écrire un examen. À part d'un section des sciences naturelles, le lycée a offert un section des langues anciennes (le latin et le grec). Depuis l'année scolaire 1927/28, il y a eu un section des langues nouvelles. Pendant l'époque du troisième Reich, le fascisme a pris son place dans les livres et au programme scolaire. Le 1.10.1945, les professeurs ont repris l'enseignement. En 1947, les anciens lycées, l'un pour les filles et l'autre pour les garçons, ont été combiné. À cause du 100ème anniversaire de l'écrivain français Romain Rolland, le EOS „Nord“ a changé son nom à „Romain Rolland“. En 1970, le „EOS Romain Rolland“ a commencé de s'orienter plus aux langues. Le bâtiment avec la salle de fête a été renové et le chauffage électrique a été installé dans les annés quatre-vingts. Après la réunification, il y a eu des changements importants au secteur scolaire. Le 20 août 1992, les professeur ont commencé de travailler au lycée «nouvellement créé». Depuis l'année scolaire 1993/94, le lycée offrent la section bilingue. Selon le plan du développement des écoles, le lycée a dû être fermé en 1997. Des campagnes (vente des T-Shirts, grève des élèves, ...) ont eu pour conséquence que le plan a été retiré et le lycée Romain Rolland a été sauvé.

history

The school building was constructed in 1913 by the famous Dresden architect Hans Erlwein. He designed several other public buildings, which are now classified as historic monuments.
From 1915 the building housed a girls’ school for the daughters of well-situated families. The 119 girls who passed the entrance examination in the first year studied natural sciences as well as Greek and Latin. Modern languages were introduced in 1927.
The Second World War left the school partly destroyed. After the terrible bombing raids in February 1945 school lessons had to be abandoned. However, the school was already reopened in October 1945 and in 1947 boys were admitted to the school.
At that time the school was known under the name of "EOS Nord". ( EOS stands for "Erweiterte Oberschule", which meant that this type of school prepared pupils for university.)
In the year 1966, when the 100th birthday of Romain Rolland was celebrated, the school was named after this great French writer. This was also the time when the school began to specialize in foreign languages, particularly French, which has since become a trademark of our school.
Soon after the German reunification the school became the "Romain-Rolland-Gymnasium". In 1993 a bilingual branch for French was introduced, offering pupils History and Geography lessons in French as well as more intensive language training.